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‚Das Handwerk‘-Kampagne: Warum wir davon abraten

Die Imagekampagne ‚Das Handwerk‘ sorgt seit 2010 mit wechselnden Motiven für Aufmerksamkeit. Leider hat aus unserer Sicht der Deutsche Handwerkskammertag als Herausgeber wenig aus der Vergangenheit gelernt: Sie haben bei der beauftragten Agentur DBB scheinbar nur begrenzte Nutzungsrechte erworben. Und das hat Folgen.

Das neue Werbeportal der Imagekampagne ‚Das Handwerk‘

Für die ‚Das Handwerk‘-Kampagne 2021 wurde ein eigenes Werbeportal erstellt. Auf diesem können Handwerksbetriebe die Werbemittel mit eigenen Angaben erweitern; die Vorlagen können sie dadurch im begrenzten Rahmen individualisieren. Sie können zum Beispiel das eigene Logo und Text ergänzen. So weit so gut und ein echter Fortschritt.

Der Imagefilm der Kampagne

Warum wir die ‚Das Handwerk‘-Werbemittel nicht empfehlen

Mangelnde technische Qualität der Vorlagen

Die individuellen Vorlagen der ‚Das Handwerk‘-Kampagne werden im PDF-Format 1.3 zur Verfügung gestellt. Druckereien geben aber meistens das PDF/X-Format (welches auf Version 1.3 aufbaut) vor, welches speziell für die Druckvorstufe geschaffen wurde.

Also einfach das PDF herunterladen und drucken lassen ist daher eine schlechte Idee. Weisen sie ihre Druckerei unbedingt vor Auftragserstellung darauf hin, dass die Druckvorlagen im Format PDF 1.3 ausgegeben wurden.

Fragwürdige Nutzungsrechte

Viel schwerwiegender: Wir haben schon bei vergangenen ‚Das Handwerk‘-Kampagnen die Erfahrung gemacht, dass sie nur zeitlich befristet erlaubt waren. Und wenn man die Nutzungsrechte der neuen Kampagne sich ansieht, hat sich daran scheinbar nichts geändert. So erhielt die Kampagne 2019 am Ende vom Jahr folgende Ergänzung:

Sie dürfen betreffende Materialien ab dem 1. Januar 2020  nicht mehr verwenden. Entfernen Sie sie von Ihrer Internetseite, Ihren Social-Media-Accounts und Ihren Betriebsräumen. Ansonsten kann es rechtliche Abmahnungen geben. 

https://handwerk.de/infosfuerbetriebe/dezember-2019/nutzungsrechte-kampagnenmaterial

Für kurzfristige Werbeaktionen wie Zeitungsanzeigen, aktuelle Flyer etc. ist die Kampagne damit in unseren Augen für Handwerksbetriebe verwendbar. Ansonsten raten wir dringend ab. Kaum ein Handwerksbetrieb wird Flyer oder Plakate zum Jahresende vernichten, Aufkleber entfernen und ähnliches. Und viel schlimmer: Autobeschriftungen müssten entfernt und Webseiten überarbeitet werden. Oder wie oben beschrieben total realitätsfern: Gehen sie am Jahresende alle ihre Social-Media-Posts auf Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok oder ähnliches durch und löschen sie alle Posts, bei denen eventuell die Nutzungsrechte ablaufen? Also wir kennen niemanden …

Aber es steht eindeutig: „Nutzungsrechte: unbegrenzt“

Bei sämtlichen Vorlagen der 2021-‚Das Handwerk‘-Kampagne steht bis jetzt (Stand Dezember 2020) „Nutzungsrechte: unbegrenzt“. Also alles kein Problem? Leider nein. Wie in der eigenen Unterseite mit Nutzungsbedingungen steht:

Zeitlich ist die Nutzung auf die Dauer der Imagekampagne des DHKT beschränkt mit einer Aufbrauchsfrist von einem Jahr nach öffentlicher Bekanntgabe der Einstellung der Imagekampagne mindestens durch Information auf der Subdomain werbeportal.handwerk.de.

https://werbeportal.handwerk.de/de/terms-of-service

Außerdem stehen dort Hinweise wie „2.5 Der DHKT behält sich vor, diese Nutzungsbedingungen und die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen und Materialien jederzeit und ohne Nennung von Gründen für die Zukunft zu ändern.“. Was zum Problem werden kann in Verbindung mit „1.3 Bei der erstmaligen Nutzung und immer dann, wenn sich die Nutzungsbedingungen ändern, hat der Nutzer die Nutzungsbedingungen zu akzeptieren.“

Trotzdem: Der DHKT ist auf dem richtigen Weg

Wir finden trotzdem, dass der Deutsche Handwerkskammertag mit dem Werbeportal in die richtige Richtung geht. Die Möglichkeit, schnell und einfach Werbevorlagen für den eigenen Handwerksbetrieb zu erstellen finden wir gut.

Leider ist die Integration der eigenen Daten in unseren Augen noch nicht sehr gelungen, da ist noch viel Nacharbeit nötig. Und die erstellten Motive dürfen auch nicht verändert werden, was bei Image-Kampagnen aber üblich ist. Aber der Anfang ist gemacht.

Was wir aber etwas peinlich finden, ist die Präsentation der Kampagne: Die Beispielbilder sind so schlecht in bestehende Bilder gephotoshopped, eine Darstellung wie die Vorlagen in der Realität wirken wäre da schon das mindeste.

Fazit

Wir finden, sie sollten eigene Werbemittel nicht durch Motive der ‚Das Handwerk‘-Kampagne einsparen. Ergänzend ist gegen die Kampagne natürlich befristet nichts einzuwenden. Ihr Focus sollte aber darauf liegen, ihren Betrieb als eigene Marke bekannter zu machen und zu stärken; wir unterstützen sie dabei gerne.