Grünes Webhosting für den Umweltschutz?

Grünes Webhosting als Zeichen für Umweltschutz wird immer mehr Nachgefragt. Es geht dabei natürlich um regenerativen Ökostrom, aber auch wie effizent und nachhaltig ein Anbieter arbeitet. Doch macht grünes Webhosting wirklich Sinn?

Dieser Artikel entstand wegen diesem Beitrag auf utopia.de, besser gesagt eine Kundin, die sich auf den Beitrag bezog und unbedingt ihre Webseite auf einem grünen Webhoster wollte. Utopia unterscheidet dabei zwischen ‚empfehlenswerten‘ Ökostrom und ‚irgendeinem‘ Ökostrom. Bekannte Hoster wie 1&1 ionos, Strato, Host Europe oder (die von uns favorisierten) All-inkl landen laut dem Artikel in der Gattung ‚irgendein‘ Ökostrom.

Als ‚empfehlenswert‘ stuft utopia.de dagegen Avalon Networks, BioHost, GreenSta, Lands, SpaceNet und Teuto.net ein. Da es in dem Artikel um Minimalanforderungen für eine WordPress-Seite mit Shared Hosting geht, betrachten wir auch die Anbieter und diesem Gesichtspunkt.

Alle folgenden Angaben beziehen sich ausschließlich auf die Webseiten der jeweiligen Anbieter, wir haben mit keinem der nun genannten Anbieter selbst zusammen gearbeitet.

Avalon Networks

Nur veraltete Angaben, z.B. haben ihre Server angeblich nur php Version 5, was ich mir beileibe nicht vorstellen kann. SSL und Monitoring gibt es nur als Zusatzleistung. Preisangaben gibt es keine, dies soll man als individuelles Angebot anfragen.
Fun fact: Avalon Networks bezieht seinen Strom von ‚Naturstrom‘, derselbe Anbieter der auch Strato beliefert. Strato ist laut utopia.de aber nicht ‚empfehlenswert‘ sondern nur ‚irgendeiner‘.

BioHost

Der kleinste Tarif ‚BioSPACE S‘ bietet eine Domain mit SSL, 10 GB auf SSD-Festplatten, aktuelles php und phyton, tägliche Datensicherung für 4.99€ monatlich. ‚BioSPACE L‘ mit 3 Domains und 50 GB kostet 9.99€ monatlich. Preis / Leistung empfinden wir als gut und auch unabhängig vom Preis ist die gebotene Leistung für eine WordPress-Seite gut.

GreenSta

Bezeichnen auf ihrer Seite ihre Shared-Hosting-Pakete als Webserver-Pakete, was aber grundlegend etwas ganz anderes ist. Der kleinste für WordPress geeignete Tarif ist das ‚Plus-Paket‘ für 5.97€ im Monat. Dafür gibt es 2 Domains inkl. SSL bei maximal 10GB.
GreenSta ist dabei kein eigener Anbieter, sondern lediglich eine  Marke der teuto.net Netzdienste GmbH (mehr dazu weiter unten)

Lands

Die ‚Klein & Fein‘-Tarife sind wegen nur 64MB php-memory-limit für WordPress nicht geeignet. Der kleinste Tarif ist somit ‚Fix wie Nix‘. Das Paket ‚5/1‘ bietet eine Domain mit SSL bei 5GB Speicherplatz für 15.47€ im Monat. Da dort aber das php-memory-limit mit 128MB nur für kleine WordPress-Seiten mit nur sehr wenigen Zusatz-Plugins reicht, finden wir das Angebot für WordPress-Hosting nicht wirklich geeignet. Zumal das gebotene für über 180€ / Jahr einfach in unseren Augen zu teuer ist.

SpaceNet

SpaceNet bietet gar kein Shared Hosting an, sondern virtuelle oder dedizierte Server. Sie richten sich damit an IT-erfahrene Kunden und machen in der Übersicht bei utopia.de unserer Meinung nach gar keinen Sinn.

Teuto.net

Wie schon bei ihrer Marke ‚GreenSta‘, bezeichnen sie ihre Shared-Hosting-Angebote als Webserver. Dies ist ungefähr so, als ob ein ÖPNV-Anbieter eine Straßenbahn als Taxi bezeichnen würde.
Das kleinste Paket ’start 17′ bietet eine Domain mit SSL, 2.5GB (!) Speicher für 9.90€ im Monat. Mehr Angebote machen sie nicht, daher fällt es schwer sie irgendwie zu beurteilen. Wobei wir 2.5 GB Speicher für 9.90E im Monat für alles andere als günstig betrachten.

Welcher Ökohoster ist empfehlenswert?

Rein persönlich finden wir das Angebot von BioHost sehr fair, bei den anderen Hostern sprechen die oben angeführten Gründe dafür, weshalb wir sie nicht empfehlen würden. Aber wie schon gesagt, diese Einschätzung beruht rein auf den Aussagen auf den jeweiligen Webseiten. Persönlich getestet haben wir keines dieser Angebote, daher können wir keine fundierte Aussage treffen.

Wie umweltbewusst sind Hoster?

Ökologie hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Ein großer Faktor ist dabei, wie effizient Energie genutzt wird. Und Betreiber von Rechenzentren achten schon auf wirtschaftlichen Gründen darauf, dass sie möglichst effizient arbeiten. Denn Energie erzeugt Abwärme, und die ist in Rechenzentren ein großes Problem. Wer zum ersten mal ein Rechenzentrum besucht ist meistens erstaunt, wie extrem laut es dort ist. Grund sind alle Lüfter und Klimaanlagen, um die Abwärme abzuleiten. Und je effizienter Hoster arbeiten, desto weniger Abwärme muss entsorgt werden. Jeder vernünftige Hoster achtet also rein schon betriebswirtschaftlich auf optimierten Stromverbrauch.

Je umweltbewusster umso schlechter?

Ein Punkt, den viele, die auf ökologisches Hosting wert legen, jetzt nicht gerne hören werden: Ja, meistens ist das so.

Der Hauptgrund ist, das bei Shared Webhosting dutzende bis hunderte von Kunden sich einen Server teilen. Wie viele Kunden ein Anbieter auf einen Server packt, ist meist ein groß gehütetes Geheimnis; als Ausnahme schreibt dies all-inkl in ihren Paket-Details.
Deshalb finden wir GreenSta und Teuto.net, die ihr Shareds-Hosting als Webserver bezeichnen, als (gewollt?) sehr irreführend.

Je mehr Kunden sich einen Server teilen, desto besser natürlich für die Umweltbilanz. Andererseits wird durch mehr Kunden ein Server zwangsläufig immer langsamer. Ein Anzeichen für viele Kunden ist wenig Speicherplatz, kleiner php-memory-limit, geringe php-execution-time und vor allem schlechte Ladezeiten einer Webseite.

Verglichen ist ein eigener Server wie ein eigenes Auto, gutes Shared-Hosting wie ein Schnellbus, bei dem nicht alle Sitze belegt sind; während ein voll gepackter Shared-Hosting-Server sich wie ein überfüllter Bus im Berufsverkehr anfühlt – es geht einfach nicht voran.

Fazit zu Green Hosting

Nachdem auch viele bekannte große Hoster mit Ökostrom arbeiten, sehen wir bei all den unwägbarkeiten eigentlich keinen Grund, speziell auf einen grünen Webhoster zu setzen. Da schnelle Ladezeiten sowohl für ihre Kunden als auch für ihr Google Ranking wichtig ist, sollten sie bei Interesse an grünem Webhosting den Anbieter genau nach seinen Leistungen anfragen; die Webseiten der oberen Anbieter sind durch die Bank leider nicht aussagekräftig.